Solon




Solon, um 640-560 v. u. Z., athen. Politiker und Dichter aus einem sehr vornehmen, aber verarmten Adelsgeschlecht. Als Kaufmann mußte er für seinen Lebensunterhalt sorgen und machte viele Reisen. Er zeichnete sich bei der Eroberung von Salamis aus und feuerte dabei seine Mitbürger durch seine Gedichte an. Auch seine politischen Ansichten propagierte er durch seine Dichtungen, die er in Form der Elegie, aber auch des Jambus und des trochäischen Tetrameters verfaßte. Er tadelte darin Mißstände im Staat wie die Besitzgier des Adels und rechtfertigte seine eigenen politischen Maßnahmen.
594 wurde er als Archon mit Sondervollmachten ausgestattet, um die seit längerer Zeit andauernde wirtschaftliche und politische Krise des attischen Staates zu beenden. Durch die Ausweitung des Großgrundbesitzes hatte sich die Lage der Kleinbauern sehr verschlechtert, sie waren stark verschuldet und teilweise enteignet worden (Hektemoroi). Sie erwarteten nun den Erlaß der Schulden und eine Neuaufteilung des Bodens. Die Handwerker und Händler forderten eine Mitwirkung an der Leitung des Staates und die Beseitigung der Reste der Gentilordnung, die die Entwicklung zur Polisdemokratie behinderten. Solon entschloß sich, die Krise durch einen Kompromiß zu lösen und einen Teil der berechtigten Forderungen zu erfüllen, um dadurch die Armen von ihren weitergehenden Ansprüchen abzubringen. Seine erste Maßnahme war die Seisachtheia, ein Erlaß aller Schulden auf Äcker (Hypothekensteine) und Personen. Die Schuldsklaverei wurde aufgehoben, bereits ins Ausland verkaufte Athener wurden auf Staatskosten ausgelöst. Der nächste Schritt war die Änderung des geltenden Münz- und Massemaßsystems. Statt des aiginetischen Münzfußes führte Solon den leichteren euboiischen ein, der damals bereits sehr verbreitet war und somit dem athen. Handel den Weg ebnete. Wahrscheinlich verband er damit gleichzeitig eine Verringerung der auf dem mobilen Besitz liegenden Schulden. Handel und Gewerbe förderte er, indem er ausländische Fachleute nach Athen holte und ihnen hier das Bürgerrecht verlieh. Auf politischem Gebiet ersetzte er das Privileg der Geburt durch das des Besitzes. Alle Bürger teilte er nach ihrem Besitz - zunächst zählte nur der Grundbesitz - in 4 Vermögensgruppen ein. Rechte und Pflichten staffelte er so, daß die Begüterten zwar mehr politische Rechte besaßen, dafür aber auch mehr Leistungen zu übernehmen hatten (Timokratie). Die Einstufung der Bürger richtete sich nach dem jährlichen Ernteertrag. 500, 300, 200 oder weniger Medimnen Getreide, Öl oder Wein hatten die Angehörigen der 4 Vermögensgruppen (Pentakosiomedimnen, Ritter, Zeugiten und Theten) nachzuweisen. Bald darauf wurden auch die Geldeinkünfte anerkannt, wobei eine Drachme einem Medimnos gleichgesetzt wurde. Die hohen Staatsämter wurden nur mit Angehörigen der ersten 3 Gruppen besetzt, wobei nur Pentakosiomedimnen Archon oder Schatzmeister werden konnten. Den Theten verblieb lediglich der Zutritt zur Volksversammlung und zum Volksgericht. Da jeder Wehrpflichtige seine Ausrüstung selbst zu stellen hatte, waren nur die ersten 3 Gruppen zum Kriegsdienst verpflichtet. Die erste und zweite Gruppe kämpften als Berittene, die dritte kämpfte als Hopliten. Die Theten wurden nur in Sonderfällen als Leichtbewaffnete oder später als Ruderer herangezogen. Die erste Gruppe war weiterhin zu den kostspieligen Liturgien verpflichtet. Als Gegengewicht zum aristokratischen Rat vom Areopag schuf Solon den Rat der 400, in den jede Phyle 100 Mitglieder entsandte. Solon ließ die Athener schwören, daß sie 10 Jahre lang an seinen Gesetzen nichts ändern würden. Es kam aber nach 594 erneut zu heftigen Klassenkämpfen, da Solon die stärkste Stütze der Aristokratie, den Grundbesitz, nicht angetastet und damit ihr die Möglichkeit zu erneuten Machtkämpfen geboten hatte. Die Unbemittelten waren unzufrieden, da sie nicht die gleichen politischen Rechte erhalten hatten wie die Reichen. Es bleibt Solons unbestrittenes Verdienst, daß er die meisten Vorrechte der Gentilaristokratie beseitigt und damit den Weg für die weitere Entfaltung der Sklavenhalterdemokratie frei gemacht hat. Er wurde zu den Sieben Weisen gerechnet.
Solon